Der Nachfolgende Artikel erschien im Deutschen Straßenverkehr 10/59.

 Unser Test

  Motorroller SR 59

  Berlin

 vom

 VEB Industriewerk

 Ludwigsfelde


Wenn man eine gewisse Schwäche für kräftige Motorräder hat,
dann rücken zwangsläufig die Roller ein wenig in den Hintergrund,
und man ist geneigt, solche Fahrzeuge nicht ganz für voll zu
nehmen. Bestärkt wird man in dieser Meinung dadurch, daß das,
was bisher an Rollermodellen bei uns in der DDR angeboten
wurde, zwar sehr brav, aber hinsichtlich der PS-Leistung nicht
umwerfend war, 125 cm3 bleiben nun mal nur 1/8 Liter. Da kann
weder Farbe noch Form etwas dran ändern.
Der erste Motorroller, der hinsichtlich seiner Leistungen mehr
überzeugte, war der Cezeta-Roller mit 175 cm3 Hubraum. Dieser
nennen wir ihn "Reiseroller", hat jetzt im Motorroller "Berlin"
ein gliechwertiges Gegenstück erhalten, der, obwohl mit der Kurz-
bezeichnung SR = Stadtroller versehen, mit dem gleichen Recht
wie der Cezeta als Reiseroller bezeichnet werden kann.
Damit ist eigentlich schon die treffendste Kurzcharakteristik für
dieses neueste Fahrzeug unserer volkseigenen Industrie gegeben.
Mit der Weiterentwicklung der Industrie und mit der Aus-
weitung des Angebots an Industriewaren wird man kritischer
und stellt auch an Kraftfahrzeuge höhere Ansprüche. Darauf hat
sich ganz offensichtlich das IWL eingestellt und bringt ein recht
anerkennenswertes Fahrzeug auf den Markt.
Das hervorstechendste an diesem Motorroller sind der 150-cm3-
Motor, der maximal 7,5 PS leistet, und das Vierganggetriebe. In
allen anderen Teilen ist der Roller nicht so neu, da auf die be-
währten Bauelemente des SR 56 Wiesel zurückgegriffen wurde.
Trotzdem unterscheidet sich der Roller "Berlin", wenn man von
äußerlich erkennbaren Merkmalen absieht, durch seine "Lebendig-
keit" und seine Laufruhe doch recht spürbar von seinem älterer
Bruder.
Wir schrieben als Schlußsatz in unserem Wiesel-Test im Heft 11/57
unserer Zeitschrift: "...es durchaus für möglich, daß man den
bewährten MZ-Motor in einer Motorrollerausgabe auf 150 cm3
bringt: Das dürfte dann etwa einer Höchstleistung von gut 6 PS
entsprechen, und damit wird wahrscheinlich der Wiesel an die
Fahrleistungen der MZ 125 heranreichen."
 
Die Ansicht des Motorrollers bei abgenommener Haube von rechts. Man erkennt die Trapezführung der Hinterradscheinge und den Kettenspanner, die Gummipuffer und vor allem den Ansauggeräuschdämpfer. Wenn Sie genau hinsehen, finden Sie auch die Drahtschlinge, mit der wir den an nur zwei Punkten aufgehängten Ansaugeräuschdämpfer. zusätzlich befestigen. Bei den am Roller auftretenden Schwingungen löste sich ständig das Gummiknie, und der Motor hatte die notwendige Verbrennungsluft nicht mehr über den Ansauggeräuschdämpfer heran.



Genau das ist also eingetreten. Die PS-Leistung des Neuen geht
sogar einiges über unsere damaligen vorsichtigen Schätzungen
hinaus. Der Roller bringt eine (gestoppte) Spitzengeschwindigkeit
von 83 km/h mit einer Besetzung von einem Mann mit
183 halben kg und 183 cm Länge. Wenn das nichts ist? Die Prophe-
zeiung von 1957 ist also im Hinblick auf Fahrleistungen wahr
geworden. Aus der Spitze läßt sich erkennen, daß auch in der
Beschleunigung einiges drin ist. Die Werte sind auf Seite 354
oben zu finden.
Damit ist der Roller nun nicht zu einem Supersportfahrzeug
geworden, und anspruchsvolle Fahrer werden vielleicht die Nase
rümpfen. Sollen sie doch! Für solche Fahrer ist der Roller näm-
lich nicht entwickelt und gebaut worden. Halten wir doch einmal
fest: Motorrollerfahrer oder -fahrerinnen sind größtenteils Fahr-
zeugerstbesitzer. Sie wollen eben einen Roller und nichts anderes.
Sie stellen an diesen Roller Ansprüche, die meistenteils noch nicht
dem wirklichen Leistungsvermögen eines solchen Fahrzeugs ent-
sprechen. Was also da an Höchstgeschwindigkeit, an Anzugs-
vermögen, an Beschleunigung und auch an Bremsverzögerung drin-
steckt, umfaßt für derartige Fahrer noch spürbare Reserven.
Wenn man flott fahren will, muß man sehr genau wissen, was
man den Bremsen seines Fahrzeuges und was man den Fahr-
eigenschaften zutrauen darf, was man zu erwarten hat. Hier zuerst
einmal die Bremswerte. Aus 40 km/h stand der Roller bei Benut-
zung beider Bremsen nach 14 m. Das entspricht einer mittleren
Verzögerung von 4,4 m/s^2. Die Fußbremse allein brachte 3,4 m/s^2
bzw. 18 m Bremsweg und die Handbremse 3,5 m/s^2 bzw. 17,50 m
Bremsweg. Die Messungen wurden bei trockenem Wetter auf der
Autobahn mehrmals in beiden Richtungen durchgeführt. Bei nasser
Straße sind die Bremswege natürlich erheblich länger.
Nun die Fahreigenschaften. Obwohl an der Vorderradaufhängung
des Berlin gegenüber dem Wiesel fast nichts geändert wurde,
nur der Federweg wurde 10 mm länger, gab es bei böigen Seiten-
winden mehrfach unangenehme Überraschungen. Falls in Kurven-
lagen ein Windstoß unter den vorderen Kotflügel fuhr, dann zeigte
der Roller Neigung, vorn wegzusetzen. Wenn man ihn also bis an

Auf diesem Bild (linke Seite des Rollers) sind so ziemlich alle wichtigen Einzelheiten zu sehen. Falls Sie hier den Ferntupfer vermissen, wir haben ihn abgebaut und die Schwimmerkammer mit einem normalen Motorradtupfer versehen. Der Ferntupfer ist nicht mehr notwendig, da ja die Haubenklappe nicht mehr verschlossen wird. Eine Änderung übrigens, die demnächst in die Serie übernommen wird. Klar erkennbar ist der linksseitig angebrachte Stoßdämpfer.



die möglichen Grenzen ausfahren will, dann sollte man sich in
dieser Hinsicht in Acht nehmen. Die einzige mögliche Erklä-
rung für dieses Verhalten ist die, daß man mit dem Berlin eben
schneller fährt, die Bodenhaftung vorn geringer wird und dann
das bewußte unsichere Gefühl bei stärkerer Luftbewegung in die
Lenkung hineinkommen kann. Mindestens 80 Prozent aller
Berlin-Fahrer werden das jedoch niemals spüren, weil ja für sie
das weiter vorn Gesagte gillt. Was die Federung anbelangt, so
meinen wir, daß Fahrwerk des Rollers durch den Einbau
eines Stoßdämpfers hinten zwar verbessert worden ist, aber bei
einer von leichteren Leuten erreichbaren Geschwindigkeit von
etwas über 85 km/h voll ausgenutzt wird. Reserven sind dann
fahrwerkseitig nicht mehr vorhanden. Wir hatten uns schon beim
ID 05-15 (einem der ersten Pittys) vorn bald einen Stoßdämpfer
einbauen lassen und damit beste Erfahrungen gemacht. Beim
Wiesel hatten wir diesen Dämpfer vermißt, beim "Berlin" fehlt
er geradezu. Wir wissen, wie genau bei unser Industrie kalku-
liert wird, wir wissen auch, daß der Roller "Berlin" bei gleichem
Preis wie der Roller Wiesel einige nicht ganz billige Verbesse-
rungen aufzuweisen hat, aber vielleicht könnte man im IWL bei
einer weiteren Verbesserung doch an diesen fehlenden Stoß-
dämpfer vorn mit denken.
Wenig angenehm sind in bestimmten Drehzahlbereichen auf-
tretende Schwingungen. Ob sich so etwas jemals ganz wegbringen
läßt, ist fraglich. Bei einem Motorroller gibt es doch eine ganze
Menge mehr Möglichkeiten als anderswo, Schwingungen, die bei
Fahrzeugen immer auftreten, zu verstärken und unangenehm
fühlbar, sowie hörbar zu machen. So kamen wir erst in den letzten

Blick auf das Armaturenbrett. Die Kontrolleuchten sind zwar etwas klein, aber noch zu sehen. Ganz rechts außen eine Blinkerkontrolleuchte, die für evtl. Blinker-Kontrolle oder – wie es findige Bastler bereits taten, zur Kontrolle dafür, ob die Seitenstütze eingeklappt ist, verwendet werden kann. Genau in der Mitte hinter dem Lenker steckt der Schlüssel im Lenkblockschloß. Der Lenker wie auch auf dem Bild nicht sichtbaren Handhebel für Kupplung und Vorderbremse können verstellt werden.

Tagen drauf, woher das bei einer bestimmten Drehzehl auf-
tretende schwirrende Geräusch stammt, welches uns wochenlang
irritierte. Der linksseitig angebrachte Kippständer kommt im
vierten Gang, etwa bei 70 km/h, ins Tanzen und schlug Wirbel
gegen die gegossene Bodenplatte, die diese Geräusche an die
gesamte Karosserie weitergab. Wenn schon vom Werk dem Kipp-
ständer ein Gummischuh überzogen würde, wäre dieser Übel-
stand beseitigt.
Ein anderes Geräusch macht sich während der Fahrt ebenfalls
bemerkbar. Das ist der Pfeifton des in seiner Leistung gestei-
gerten Lüfters, der seine Aktionsfähigkeit eben durch dieses
Geräusch beweist. Um zu merken, daß der Keilriemen (bei uns bei
3500 km Fahrstrecke nie passiert) gerissen ist, bedürfte es also
kaum der Gebläsekontroll-Leuchte.
Sehr leise ist das Auspuff- und Ansauggeräusch. Wie soll man
jedoch den Vergaser des Rollers "Berlin" individuell richtig
einstellen können, wenn man durch den Ansaugdämpferkasten
nicht an den Vergaser herankommt. Stellt man ohne Ansaug-
dämpfer ein, und mit Ansaugdämpfer geht es nicht bzw. wird bei-
nahe zur Lebensaufgabe. Am besten ist es also, den Vergaser, wenn
notwendig, nach Handbuchwerten einzustellen. Genaueres darüber
steht in der Betriebsanweisung, die übrigens neu aufgelegt werden
sollte, denn die darin gezeigten Fotos stimmen nicht mit einigen
tatsächlichen Merkmalen des Rollers überein.
Mit diesen Handbuchwerten fährt man gar nicht so schlecht. Die
Höchstgeschwindigkeit wurde schon genannt. Der Verbrauch liegt
bei wirklich sehr flottem Fahren bei etwa 3,3 l/100 km Gemisch
1:25 Hyzet-Zweitaktöl/Kraftstoff rot. Die Angaben des Werkes
im Handbuch sind also ehrlich und dürfen wirklich für bare
Münze genommen werden.
Vielleicht ist es notwendig, zum Kraftstoffverbrauch noch folgende
Feststellung zu treffen: Verschiedene SR-59-Besitzer berichteten

 

technische Daten


Motor
Einzylinder, Zweitackt, Umkehrspülung
Hubraum: 143 cm3
Hub: 58 mm
Bohrung: 56 mm
Verdichtung: 7,75 bis 8,1
Dauerleistung: 6,5 PS bei 4000 U/min
Höchstleistung: 7,5 PS bei 5100 U/min
Maximales Drehmoment: 1,15 mkg bei 3500 U/min
Kühlung: Luft (Axialdruckgebläse)
Schmierung: Gemischschmierung 1:25
Vergaser BVF N 241-11 (Flachschieber)
Zündung: Bateriezündung
Zündkerze: Isolator M 14-240
Lichtmaschine: GMR 6 V/60 W

Kraftübertragung
Kupplung: Mehrscheiben im Ölbad
Getriebe: Viergang, Fußschaltung mit Schaltautomat
Getribeübersetzungen:    1. Gang 1 : 3,05
 2. Gang 1 : 1,805
 3. Gang 1 : 1,285
 4. Gang 1 : 1
Übersetzung:    Motor/Getriebe 1 : 2,75
 Getriebe/Hinterrad 1 : 2,19
Gesamtübersetzung:    1. Gang 18,4:1
 2. Gang 10,8:1
 3. Gang 7,73:1
 4. Gang 6,02:1
Farwerk
Rahmen: Zentralrohrrahmen (offen)
Ferderung vorn:    Schwinggabel, Schraubendruckfeder mit
 Reibungsdämpfung, 110 mm Federweg
Ferderung hinten:    Trapezschwinge, Drehstabfeder, hydraulischer Stoßdämpfer,
 Federweg 70 mm, Begrenzung durch Gummipuffer
Bremsen: Innenbackenbremse, 150 mm Trommeldurchmesser
Bereifung: 3,50-12
Luftdruck:    Solo vorn 1,2 atü, hinten 1,5 atü
 mit Sozius vorn 1,4 atü, hinten 2 atü
Maße und Gewichte
Länge 2080 mm
Breite 650 mm
Höhe 950 mm
Radstand 1430 mm
Bodenfreiheit 110 mm (belastet)
Eigengewicht 140 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 300 kg
Tankinhalt: 12 l, davon Reserve 1,5 l
Ölinhalt im Getriebe: 0,4 ... 0,45 l
Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit 83 km/h (Stopwert)
Dauergeschwindigkeit: 75 km/h
Steigfähigkeit: (Solo) nach Werksangaben
1. Gang 33% bei 15 km/h
2. Gang 18% bei 30 km/h
3. Gang 12% bei 50 km/h
4. Gang 5% bei 60 km/h
Preis: 2300 DM
Kfz.-Steuer: (jährlich) 24 DM
Kfz.-Haftpflicht:    26,30 DM (Berlin)
 21,30 (DDR)


uns von Verbräuchen so um die 3 Liter herum. Ja, wir hörten
sogar etwas von 2,8 l. Das wäre natürlich sehr günstig, aber durch-
aus nicht unwahrscheinlich. Wir erklären uns jedenfalls bereit,
jeden Motorroller "Berlin" mit einem Verbrauch von 3 l/100 km
zu fahren.
Eine Randbemerkung noch: Wir würden abraten, mit diesem
Roller, dessen Verdichtung immerhin einen Wert von 8 erreicht,
weißen Kraftstoff zu fahren.
Eigentlich wollen wir hier aufhören, nachdem wir vor ganz kurzer
Zeit zwei Rollerfahrerinnen sprachen, die mit ihrem neugekauften
"Berlin" von Weimar bis Berlin fuhren, ohne zu wissen, wie man
eigentlich an die Zündkerze herankommt, schien uns jede weitere
Betrachtung über den Roller "Berlin" etwas deplaciert. Da es aber
bestimmt auch eine Vielzahl anderer "Berlin"-Fahrer und "Berlin"-
Interessenten gibt, nachfolgend eine kurze technische Beschreibung
des Rollers "Berlin".
Das Hauptteil des Fahrgestells bildet ein elektrisch geschweißter
Zentralrohrrahmen, der sich nicht wesentlich von dem des Rollers
Wiesel unterscheidet, aber an einzelnen Punkten noch verstärkt
wurde.
Vorn wird eine sogenannte Schwinghelbelgabel verwandt, die
110 mm (beim Wiesel waren es 100 mm) Federweg hat. Die auf-
genommenen Fahrbahnstöße werden von proportional wirkenden
Spiralfedern abgefangen. Leider fehlt hier ein Stoßdämpfer, so daß
die ungedämpfte Federung das Vorderteil des Rollers aufschaukelt.
Das Hinterrad ist mit der Trapezführung in einer Schwinge gelagert.
Die hintere Schwinge wurde am Zentralrohrrahmen vermittels
eines Drehstabes gelagert, durch einen hydraulischen Stoßdämpfer
gedämpft und durch ringähnliche Gummiformelemente gegen
Durchschlagen gesichert. Das Vorderrad hängt mit einer Normal-
achse in der mit Ausfallenden versehenen Schwinge, das Hinter-
rad ist mit einer Steckachse befestigt. Beide Räder können rasch
und ohne Schwierigkeiten gewechselt werden.
Der Motor in Monoblockausführung entspricht genau dem der
MZ 125, hat jedoch 150 cm3 Hubraum. Das zur Kühlung benötigte
Gebläse, auf Druck arbeitend, ist sehr leistungsfähig und ermög-
licht es dem Motor, stets im richtigen Wärmebereich zu arbeiten.
Das Flügelrad wird durch einen Keilriemen angetrieben, der seiner-
seits wiederum über eine Antriebsscheibe läuft, die auf dem
linken Kurbelwellenstumpf sitzt. Der Keilriemen läßt sich schnell,
wenn auch nicht ohne schmutzige Finger zu bekommen, wechseln.
Ein Ersatzkeilriemen wird vom Werk im Werkzeugsatz mit-
geliefert. Rechts auf der Kurbelwelle sitzt die spannungsregelnde
Gleichstromlichtmaschine, die in ihrer Leistung auf 60/90 Watt

verstärkt wurde. Diese Lichtmaschine ist die für die gesamte
Motorradindustrie entwickelte Einheitslichtmaschine.
Im Gegensatz zu dem Roller "Wiesel" ist der Roller "Berlin" mit
einem Viergang-Getriebe ausgerüstet, das sich - abgesehen von
der größeren Lebendigkeit dieses Fahrzeuges - besonders auf
den Kraftstoffverbrauch günstig auswirkt, weil unter allen Be-
lastungen günstige Drehzahlen eingehalten werden können. (Zum
Vergleich dazu das Gang- und Leistungsdiagramm.)
Der Vergaser N 241 der Berliner Vergaser-Fabrik ist noch immer
ein Flachschiebervergaser mit einem zusätzlichen Luftschieber als
Starthilfe. In absehbarer Zeit wird für den Roller "Berlin"
ein Rundschieber-Vergaser zu erwarten sein, der eine noch bessere
Möglichkeit der Gemischbildung bietet und manchmal auf-
tretende Löcher im Teillastbereich vor allem bei raschem
Beschleunigen ausschließen wird. Dem Vergaser vorgeordnet ist
ein Ansauggeräuschdämpfer mit Naßluftfiler.
Die Kraftübertragung vom Motor zum Getriebe und von da zum
Hinterrad erfolgt durch Ketten. Die Sekundärkette ist in Gummi-
schläuche verkapselt und dadurch besonders lange betriebsfähig.
Die Schmierstellen des Rollers sind gut zugänglich.
Die Bremsen wurden unverändert vom "Wiesel" übernommen.
Bei richtigem, überlegtem Einsatz genügen sie den Ansprüchen
der Rollerfahrer jederzeit.
Über einen Kardinalschaden, der bei unserem Testroller ständig
auftrat, schreiben wir deshalb nicht, weil wir wissen, daß dies
Wenn Sie auf der Lampe um die Schrauben herum einen dunklen Fleck erkennen (Pfeil), so ist das kein Fotofehler, sondern abgesplitterter Lack. Die Lackierung dieses Kunststoffteils des Rollers scheint noch einige Schwierigkeiten zu bereiten. Auf dem anderen Bild ist zu sehen, daß zwei Stiftschrauben, die der Befestigung des Reserverades und des Gepäckträgers dienen, ausgerissen sind. Weder an der Lackschadstelle noch bei den Stiftschraben erfolgte irgendeine Ge-
walteinwirkung. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß man sich über grundsätzliche konstruktive Details unterhalten kann, daß es aber keiner Diskussion über die Ausführung der Konstruktion geben dürfte. Die Befestigung der Haube am Rahmen war unserem Testroller nicht serienmäßig, sondern erfolgte mit diesen Schrauben, die Sie im Bild erkennen. Wir halten diese Befestigung für weitaus besser als die serienmäßige.
nur bei den ersten 1000 Stück der Serie auftrat. Getriebeschwierig-
keiten. Nur soviel dazu. Wenn Vertragswerkstätten "Berlin"-
Besitzer, die wegen dieser Getriebeschäden vorsprechen,
mit den Bemerkungen wegschicken, das seien Schaltfehler des
Fahrers, so haben wir dafür absolut kein Verständnis. Solche
Mängel müssen beseitigt werden.
Noch eine Bemerkung zu den Sitzen des "Berlin". Sie sind zweifel-
los erheblich bequemer als die Sitzbank, haben aber einen Nach-
teil. An Stelle der Schaumgummifüllung der ES-Motorräder haben
die "Berlin"-Sitze Federn, die man nach einer gewissen Lauf-
leistung sehr deutlich spürt. Bedingt durch die Federn findet man
auch nicht den guten seitlichen Halt wie auf ES-Sättlen. Zu
beanstanden wäre noch der Platz des Reglers, dessen Schutzhaube
man beim Abnehmen und Aufsetzen der hinteren Verkleidung
sehr leicht herunterreißt. Außerdem brachen bei unserem Test-
roller die Kontaktfahnen für Brems- und Rücklicht an der Ver-
kleidungshaube ab, da ihr Material offensichtlich zu spröde war.
Nicht gefallen hat uns ferner die sich ständig lösende Auspuff-
überwurfmutter und der schwarze nicht verchromte Auspuff, der
bereits nach 3000 km einen Rostanflug zeigte. Nicht gefallen hat
uns die Scheinwerfereinstellung. Obwohl genügend weitreichendes
und helles Licht da ist, liegt der Lichtkegel zu hoch, und der
Reflektor ist kaum nachstellbar. Das muß geändert werden.
Als Stichwort dazu: MZ ES.
Unser Gesamturteil über den Motorroller "Berlin" fällt trotz dieser
oder jener Beanstandung sehr positiv aus. Der "SR 59" bietet bei
gleichem Preis wie der "SR 56" spürbar mehr als sein Vorläufer.
Der Roller "Berlin" wird, so glauben wir jetzt, nachdem wir ihn
einigermaßen kennen, so etwas wie eine neue Roller-Ära
heraufbeschwören, weil es sich tatsächlich lohnt, den Motorroller
"Berlin" zu fahren.          -aus.


siehe auch Testbericht des SR 59 Berlin im Deutschen Straßenverkehr 8/59